Software - Details
 
 
Philips
Sprechmodus kontinuierlich
Aktiver Wortschatz 
Wortschatz erweiterbar auf
50000 
64000
Passiver Wortschatz (Lexikon) 400 000
Korrektur durch Sprache Nein
Desktop-Navigation Ja
Diktat in andere Anwendungen Ja
Textbausteine erstellen Nein
Makrofähigkeit Nein
Eigene Makros erstellen Nein
Mitgeliefertes Mikrofon 
(Qualität)
(optional SpeechMike) 
(gut)
Trainingsdauer 
Qualität der Trainingstexte
20-70 Minuten 
mittel
Mehrere Benutzer Nein
Installation ++ problemlos
Erkennungsgenauigkeit +-
Besonderheiten Spätere /Fremd-Korrektur möglich 
Integration mit Philips SpeechMike 
sehr günstiger Preis 
gute Desktop-Navigation 
englische Wörter leicht integrierbar 
Dokumentation nicht optimal
 
 
 

Ausführliche Besprechung

Philips macht Spracherkennungssoftware? 

Auch wenn dies für den durchschnittlichen PC Benutzer bislang kaum zu bemerken war, so ist Philips doch durchaus als einer der Pioniere der Spracherkennungstechnologie zu bezeichnen. Schon lange bevor an Spracherkennung für eine breite Anwenderschicht zu denken war, sorgte Philips mit einem System zur kontinuierlichen Erkennung von Röntgenbefunden für Furore in Fachkreisen. So ist es nur konsequent, daß Philips dem aktuellen Trend folgt und zu seiner Palette von professionellen Systemen auch ein Produkt für private Anwender hinzufügt. 

Die Anforderungen an die Hardware sind im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten eher bescheiden: Als minimale Systemkonfiguration erwartet Freespeech einen Pentium MMX mit 166 MHz und 32 Megabyte RAM . Empfohlen wird eine durchaus zeitgemäße Konfiguration mit 200 MHz und 64 Megabyte RAM . Beides kann aus unserer Erfahrung im üblichen Rahmen bestätigt werden - mehr Speicher sorgt für mehr Geschwindigkeit , aber FreeSpeech scheint -- der Systemmonitor hat den vergleichsweise geringen Speicherbedarf bezeugt -- durchaus in der Lage zu sein, mit 32 Megabyte RAM auszukommen . 

Im Gegensatz zur üblichen Vorgehensweise ist FreeSpeech 98 auch ohne Mikrofon erhältlich, was es dem Hersteller möglich macht, das Produkt merklich unter 100,-  DM anzubieten. Alternativ gibt es die Möglichkeit, FreeSpeech zusammen mit dem von Philips entwickelten SpeechMike zu erwerben, dessen Funktionalität auf die Zusammenarbeit mit der Software speziell abgestimmt ist. So läßt sich dann zum Beispiel durch Knopfdruck der Erkenner zum Zuhören bewegen. Auch sind die Trackball-Fähigkeiten des SpeechMike beim bequem zurückgelehnten surfen im Netz nicht zu verachten. 

Training 

Das Diktieren ohne Training ist bei FreeSpeech98 nicht vorgesehen. Somit entfällt eine Bewertung der sprecherunabhängigen Erkennungsleistung . Das Training, in welches einen das Installation Programm also direkt schickt, kann mit 15 Minuten ungewöhnlich kurz gehalten werden - Philips empfiehlt aber, 60 Minuten lang zu trainieren. Die Texte sind mäßig informativ und bieten nur durchschnittlichen Unterhaltungswert. Ansonsten sind über Modus und Vorgehen keine Besonderheiten zu berichten. 

Ganz Ohr: Erkennen und Korrektur 

In den ersten Tests scheint die Erkennungsleistung unterdurchschnittlich zu sein, was sich aber recht schnell als Artefakt des Vokabulars von FreeSpeech herausstellt, welches weniger Begriffe aus der EDV enthält als man dies bei anderen Programmen findet. Wenn man den Texten des Trainings Glauben schenken darf, so liegt dies daran, daß beim Entwurf das Wörterbuch private Korrespondenz und E-Mails im Vordergrund standen. Nachdem die übliche Anpassung des Wortschatzes ( das zugehörige Hilfsprogramm heißt hier "ConText- Anpassung") erledigt ist, pendelt sich die Leistung auf ein mittleres Niveau ein. 

Es fällt auf, das nicht nur der Preis des Produktes selbst auf schmale Geldbeutel ausgerichtet ist: Auf dem verwendeten Test- Pentium II hinkte der Erkenner dem Sprecher nur um Sekundenbruchteile  hinterher. Von den Rechenfähigkeiten des Prozessors wird dabei selten zu mehr als 30 Prozent Gebrauch gemacht. Das läßt erwarten, das in der Tat auch mit einem Pentium 166 ein Arbeiten in zumutbarer Geschwindigkeit möglich ist. 

Wurzelholz und Zweitakter - Die Ausstattung

Auch mit einer weiteren Tradition bricht FreeSpeech: Das Programm enthält keinen von ihm bevorzugten Editor , in den diktiert werden soll . Statt dessen ist Diktieren und navigieren beziehungsweise korrigieren in fast allen Anwendungen möglich, wobei ein kurzer Test ergab, daß man am besten WordPad verwenden sollte, da nicht in allen Applikationen die volle Funktionalität verfügbar ist. 
Nicht mehr ganz zeitgemäß erscheint der Umgang von Freespeech mit Erkennungsfehlern: im Diktiermodus erkennt das Programm in der Tat nur diktierten Text, eventuell gesprochene Befehle werden also ebenfalls aufgeschrieben, statt ausgeführt zu werden. 

Um Formatierungen vorzunehmen oder Fehler zu korrigieren muß zuerst in den Befehlsmodus umgeschaltet werden, in den dann konsequent auch kein Text mehr mitgeschrieben wird. Das macht es leider unmöglich, ein Vorgehen zu verwenden, das in anderen Programmen eine sehr schnelle Arbeitsweise ermöglicht: das einfache Doppelklicken auf ein falsch erkanntes Wort und ein darauffolgendes „darüber sprechen" der Korrektur. Beim Korrigieren eines Wortes bietet Freespeech lediglich eine Auswahlliste an, eine sofortige Korrektur durch Buchstabieren ist nicht möglich. Hierfür muß wieder in einen separaten Modus gewechselt werden. 

Dieser stellt leider eines der größeren Mankos von Freespeech dar: beim Buchstabieren vergisst das Programm anscheinend völlig, daß es eigentlich zu kontinuierlichen Erkennen von Text in der Lage ist und fordert vom Benutzer deutliche Pausen zwischen den einzelnen Buchstaben ein. 

Unnötig kompliziert geraten ist auch die kontinuierliche Anpassung des Programms an die Sprechgewohnheiten des Benutzers: das Aufrufen der sogenannten „Adaption" nach dem korrigieren eines Textes führt zur Aufnahme der neuen Wörter in das Vokabular und funktioniert auch sehr gut. Soll allerdings auch die Aussprache dieser sowie der richtig erkannten Wörter in Zukunft Berücksichtigung finden, so legt Freespeech die aufgezeichneten Sprache des Benutzers zusammen mit den Text in einem speziellen Verzeichnis ab. Der Haken: damit Freespeech bei der später durchzuführenden Anpassung Klang und Wort auch noch zuverlässig zuordnen kann (und eine de facto-Verschlechterung der Erkennungsleistung vermieden wird), darf in den Text nichts eingefügt oder korrigiert worden sein, zu dem keine entsprechende Sprach-Aufnahme vorliegt! Da das korrigieren per Sprache (wie eben beschrieben) aber leider nicht sehr komfortabel ist, dürfte dies zumeist der Fall sein.. 

"Wir können auch anders.." - Highlights

Im Gegensatz dazu ist die im Programm integrierte, vollständige Desktop-Navigation allerdings hervorragend gelungen. Sämtliche Schaltflächen und Menü-Einträge werden zuverlässig ausgelesen, und hier kann das Programm auch eine ungewöhnliche Stärke ausspielen: es versteht sich nicht nur auf das zuverlässige erkennen deutscher Programm-Namen und Menü-Einträge, sondern kann auch ad hoc englische Wörter richtig interpretieren. Das ist insofern ungewöhnlich, als es dem Programm abverlangt, aus den Buchstaben der englischen Wörter die vom deutschen völlig verschiedene Aussprache zu generieren -- was sich auch beim Hinzufügen EDV-spezifischer Ausdrücke, die ja auch meistens Englisch sind, positiv bemerkbar macht. Diese Fähigkeit vermißt man bei anderen Programmen oftmals schmerzlich. 

Ebenfalls gut gelungen ist die Integration der zusätzlichen Knöpfe des Speechmike. Auch mit der Standard Version dieser genialen Trackball- Mikrofon- Lautsprecher-Kombination ist es so möglich, Freespeech z. B. nur auf Knopfdruck zum zuhören zu bewegen, was sehr nützlich und angenehm sein kann. Die Pro-Version bietet noch weitere Möglichkeiten: hier läßt sich über zusätzliche Knöpfe noch die Wiedergabe des zuvor diktierten Textes steuern. 

Weitere Fähigkeiten 

Auch hier konnte Freespeech wieder einige Sympathien des Rezensenten zurückgewinnen: das Programm erlaubt es, den diktierten Text auch zusammen mit der aufgezeichneten Sprache abzuspeichern -- und komprimiert letztere vor allem (durch ein spezielles Audio-CODEC) auf zumutbare Größe. Somit ist es ohne größere Schwierigkeiten möglich, seinen Text später oder auch von einer anderen Person korrigieren zu lassen - in diesem Preissegment eine bislang nicht übliche Möglichkeit. Freespeech ist so natürlich auch in der Lage, bei der späteren Korrektur Alternativen für die seinerzeit erkannten Wörter einzublenden. 

Professionell wirkt auch die Fähigkeit, bei der Wiedergabe des zuvor diktierten Textes das jeweils aktuell wiedergegebene Wort im Editor zu markieren, so daß das verfolgen des Diktats und das Finden eventueller Fehler erheblich erleichtert wird. 

Fazit 

Schade, daß Freespeech an einigen Stellen noch nicht ganz abgeschlossen wirkt. Denn mit der gut funktionierenden Desktop-Navigation, der Fähigkeit zum Auslesen fast alle Menü-Einträge und Schaltflächen und der guten Speicherung und späteren Wiedergabe des gesprochenen Textes hat Freespeech 98 einige echte Highlights zu bieten, die oftmals nur in den Profi-Versionen anderer Programme zu finden sind -- und das auch noch zu einem sehr attraktiven Preis. Und das direkte Diktieren in alle Fenster gibt es sozusagen gratis dazu, ebenso das Talent des Programms für englische Aussprache. So könnte das nächste Produkt von Philips -- von einigen Kinderkrankheiten befreit -- eine richtige runde Sache werden. Aber auch Freespeech wird sicherlich seine Freunde finden. 
 

 
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