Software - Details
 
 
Lernout & Hauspie 
VoiceXpress
Sprechmodus kontinuierlich
Aktiver Wortschatz 
Wortschatz erweiterbar auf
40000 / 50000 
64000
Passiver Wortschatz (Lexikon) ?
Korrektur durch Sprache Ja, im eigenen Editor
Desktop-Navigation Ja
Diktat in andere Anwendungen Ja
Textbausteine erstellen begrenzt
Makrofähigkeit nein
Eigene Makros erstellen nein
Mitgeliefertes Mikrofon 
(Qualität)
Andrea NC-80
(mäßig)
Trainingsdauer 
Qualität der Trainingstexte
30-60 Minuten 
gut, weil informativ
Mehrere Benutzer Ja
Installation O (lösbare Probleme bei manchen Systemen)
Erkennungsgenauigkeit ++
Besonderheiten gute Erkennungsleistung ohne Trainng
sehr gute Erkennungsleistung mit Training
exzellentes Preis/Leistungsverhältnis
Multi-User-fähig trotz Preis < 150,- !
Mikrofon verbesserungsfähig (allerdings nicht zu dem Preis..)
Dokumentation nicht optimal
 
 
 
Ausführliche Besprechung


Mit Voice Xpress bringt nun auch die hierzulande noch unbekannte Firma Lernout & Hauspie ihre erste Produktreihe zur natürlichen Spracherkennung auf den deutschen Markt. Wir haben zum ausführlichen Test die Standard Version ausgewählt, die zu einem sehr günstigen Preis nicht nur das übliche Mikrofon (Andrea NC 80) beinhaltet, sondern auch das Diktieren in fast alle Windows-Anwendungen erlaubt. 

Damit es losgehen kann..

Die Hardware-Anforderungen gestalten sich im üblichen Umfang: die Packung empfiehlt einen Pentium 200 MMX sowie 48 MB RAM bei Benutzung von Windows 95/98 und 64 MB für Windows NT. Wie üblich sind diese Werte die untere Grenze, ab der ein Einsatz möglich ist - hier sollte man 32 MB aufschlagen, um komfortabel auch dann arbeiten zu können, wenn andere Anwendungen geöffnet sind. Außerdem wird bei 48 Megabyte Speicher auf ein von 50 000 auf 40 000 Worte verringertes Vokabular zurückgegriffen. 

Die Installation gestaltete sich auf unserem System nicht ganz problemlos: offensichtlich hat Voice Xpress Schwierigkeiten, wenn bereits andere Spracherkennungssoftware installiert ist. Auf einem „jungfräulichen“ Windows 95 verlief die Installation dann anstandslos. Da das Programm offensichtlich im Hinblick auf Windows 98 entwickelt wurde, wird bei der Installation Internet Explorer 4.0 gleich mit installiert. Anzumerken ist hierzu noch, das Lernout & Hauspie in Sachen Support vorbildliches leisten: eine unter einer kostenlosen 0130-Nummer zu erreichende Mitarbeiterin gab sich stets Mühe, auftretende Probleme zu lösen. 

Training & Co

Das Programm erlaubt es, ohne eine vorher absolviertes Training mit dem Diktieren zu beginnen - eine Option, die man zwar von anderen Programmen kennt, die aber selten wirklich nutzbar ist: meist ist die Erkennungsgenauigkeit nicht im brauchbaren Bereich. Um so überraschter war der Autor diesmal: obwohl das Programm lediglich 8 Worte von ihm gehört hatte (während der Installation des Mikrophons) traten ausgesprochen wenige Fehler auf - grob geschätzt lag die Erkennungsgenauigkeit bei zirka 85 bis 90 Prozent! Derartige Werte hatte bislang kein anderes Programm erreicht. 

Natürlich sollte man trotzdem auf das ausführliche Training nicht verzichten. Beim Durchführen desselben wird man zunächst in etwa eine Viertelstunde lang mit den Grundfunktionen des Programms vertraut gemacht, wodurch erfreulicherweise nicht ein das Programm, sondern auch der Benutzer eine Lerngewinn hat. Weitere 20 Minuten verbringt man mit dem Lesen eines Romanauszugs, der im Gegensatz zum recht trockenen Trainingsstoff manch anderer Programme keine Langeweile aufkommen läßt. 

Nach dem absolvierten Training ist, wie zu erwarten, eine Steigerung der Erkennungsleistung festzustellen. Diese fällt allerdings etwas geringer aus als bei anderen Programmen, so daß die Leistung nach dem Training in etwa gleichauf mit den Konkurrenz Produkten liegt. einen erheblichen Vorsprung verbucht Voice Xpress allerdings: im Gegensatz zu den meisten anderen Programmen hat es weniger Schwierigkeiten mit sehr schnell ausgesprochenen Wörtern. Eine Eigenschaft, die notorischen Schnellsprechern sehr zugute kommt. Das übliche Utility zum Anpassen des Wortschatzes an die vom Benutzer am häufigsten gebrauchten Wörter ist ebenfalls enthalten -- es braucht allerdings zur Analyse der Dateien große Mengen an virtuellen Speicher, so daß man vorher für ausreichend Platz für die Auslagerungsdatei sorgen sollte. 

Außer purer Texterfassung - viele Wege führen nach Rom

Die Möglichkeiten zur sprachgesteuerten Korrektur, zur Manipulation und Navigation innerhalb des Dokuments sind zahlreich: Voice Xpress verwendet sogenannte "Natural Language Technology" zur Verarbeitung der Befehle des Benutzers, die es ermöglicht, Befehle nicht nur auf eine vorgegebene Art zu geben, sondern für fast jeden Befehl verschiedenen Möglichkeiten der Formulierung bietet. So sind zum Beispiel Befehle wie „diesen Absatz an den Anfang des Dokuments verschieben“ möglich. Zwischen Befehlsmodus und Diktat muß nicht separat umgeschaltet werden, und die Integration der sprachgesteuerten Befehle ist insgesamt als gut zu bezeichnen. Zum Korrigieren muß nur selten auf die Tastatur zurückgegriffen werden. Dies meist nur deshalb, weil Voice Xpress zum Korrigieren falsch erkannter Wörter lediglich natürliches Buchstabieren anbietet, bei dem manchmal zum Beispiel zwischen "d" und "t" nicht gut unterschieden wird. Die Möglichkeit mit Hilfe des Buchstabierealphabets zu Buchstabieren würde hier helfen. Allerdings ist die "Natural Language Technology" teilweise mit Vorsicht zu genießen: dadurch, daß jeder Befehl auf verschiedene Weise ausgesprochen werden kann, hat es das Programm manchmal schwer, Befehle von Text zu unterscheiden. Auch wird nun wieder aus einem Räuspern z.B. "Ägypten". 

Das Diktieren in fast alle Anwendungen ist möglich, unterliegt aber gewissen Einschränkungen: außerhalb des speziellen Fensters von Voice Xpress (XpressPad genannt) stehen nicht alle Funktionen zur sprachgesteuerten Korrektur zur Verfügung, da Voice Xpress offensichtlich nicht aus jedem Fenster den darin stehenden Text auslesen kann. Deswegen muß hier zu korrigieren und navigieren des öfteren auf die Maus zurückgegriffen werden. Beim vergleichsweise niedrigen Preis des Produkts ist dies allerdings eine durchaus akzeptable Einschränkung. 

Auch die Navigation auf dem Desktop ist mit Voice Xpress möglich. Allerdings überzeugt hier die Erkennungsleistung nicht so sehr wie beim Diktat. Des öfteren werden Befehle leider nicht gehört oder falsch interpretiert. Auch ist hier die Bedienung oftmals nicht ganz so variabel , so heißt es zum Beispiel "Datei Menü", " Menü Datei" ist aber keine gültige Alternative. Dummerweise gibt es hier einige Inkonsistenzen zwischen der Anleitung und dem tatsächlich möglichen Befehlen -- einiges, was laut Anleitung möglich sein sollte, ist im Programm nicht implementiert. Ein Mitarbeiter von Lernout & Hauspie äußerte die Vermutung, daß es sich um Befehle aus der professional Version handeln dürfte, die hier in die Anleitung der Standard Version hinein geraten sind. 

Die Professional-Version bietet nämlich gegenüber Standard- und Advanced-Version den Vorteil der vollständigen Integration in Microsofts Word, Excel und Powerpoint: In allen drei Programmen stehen natürlichsprachliche Befehle zur Bedienung bereit, mit denen formatiert, editiert und sonstige Funktionen der Programme komfortabel bedient werden k&ounml;nnen.

Fazit

Insgesamt kann Voice Xpress also durch sehr gute Erkennungsleistung für einen extrem attraktiven Preis überzeugen. Preislich gibt es zur Zeit, wenn man sowohl ein beiliegendes Mikrofon als auch die Möglichkeit zum Diktat in fast alle Fenster wünscht, eigentlich keine Alternative. 
Die teilweise etwas unfertig wirkende Desktop-Navigation und Fehler in der Anleitung sind jedoch störend. Allerdings stellt, wenn man von den Leistungen die Möglichkeit zur Desktop-Navigation abzieht, mit der guten Erkennungsleistung und der Möglichkeit zum Diktieren in fast alle Fenster für einen Preis von deutlich unter 150,- DM Voice Xpress für seine großen Konkurrenten eine harte Nuß dar.

 
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